Wieder zurück!

Jetzt bin ich schon wieder eine ganze Weile in Deutschland und habe es endlich geschafft, einen „Abschlussbericht“ zu verfassen. Es fällt mir aber so unglaublich schwer, denn einerseits habe ich dieses Jahr so viel erlebt, dass das nicht einfach so in einem Eintrag reflektiert werden kann und andererseits kann man dieses Jahr nicht einfach so abschließen. Das Jahr Bolivien wird mich immer begleiten und ist jetzt ein Teil von mir.

Meine letzte Zeit in Bolivien war eigentlich nur von Abschieden geprägt und so wollte ich am Ende wirklich nur noch heim, damit das endlich aufhört. Manche Abschiede waren nach dem Motto „Man sieht sich sowieso nie wieder“ und manche folgten ganz dem Motto „Du musst unbedingt zurück kommen“. Und ich habe mich auch auf zu Hause gefreut, auf meine Familie und Freunde und natürlich auf das Handballspielen.

Als ich nach Hause gekommen bin, war eigentlich alles wie immer nur hat es sich doch nicht so angefühlt, wie vor einem Jahr noch. Dieses Gefühl ist ziemlich schwer zu beschreiben. Aber irgendwann ist mir dann das eigentlich Offensichtliche klar geworden. Ich selbst habe mich verändert.

Irgendwie haben mich die ersten Tage in Deutschland ziemlich fertig gemacht. Ich war einkaufen und habe fünf Minuten nicht gefunden was ich suchte und danach konnte ich mich vor lauter Auswahl nicht entscheiden! Da habe ich mich so sehr auf den Mercado in Camiri gewünscht! Eine ähnliche Situation hatte ich auch, als ich vorm Kleiderschrank stand und mich nicht entscheiden konnte, welche Hose ich denn von den Vielen jetzt anziehen soll. Dann habe ich beispielsweise das Klopapier in den Mülleimer geschmissen und nicht in die Toilette. Das klingt vielleicht ganz lustig, aber irgendwie hat es sich einfach falsch angefühlt. Ich denke mit dem Begriff „Kultur-Schock“ lässt sich das ganz gut beschreiben. Ich meine, vor der Ausreise nach Bolivien wurden wir sehr, sehr gut vorbereitet, haben Besprochen was so auf uns zukommen könnte, wie man damit umgeht und so weiter. Auf die Heimkehr waren wir da irgendwie nicht so darauf vorbereitet und es denkt ja auch niemand daran, dass das Zurückkehren in seine Heimat einem Probleme bereiten könnte.

Dieser Zustand hat aber nur die ersten Tage angedauert, an viele Dinge passt man sich sehr schnell wieder an.

Im Abschlussseminar in Wiesbaden haben wir unser Jahr in Bolivien reflektiert, geschaut wo wir gerade stehen und was unsere Zukunft so bringt. Außerdem hatten wir verschiedene Workshops zu Themen wie Rassismus, Flucht und Asyl oder die Wahl. Viele Themen vom Vorbereitungsseminar wurden wieder aufgegriffen. Außerdem war es sehr schön nochmal alle Freiwilligen zu sehen, sowohl die aus Bolivien, sowie auch die, die in anderen Ländern waren. Bis Oktober genieße ich jetzt noch meine freie Zeit und dann ziehe ich nach Hessen um eine Ausbildung zu beginnen.

Liebe Grüße aus dem schönen Bargau

Jessi

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